Stay real!

 

Bist du gerade Mutter geworden? Und wie fühlst du dich? Ich meine nicht das seelische Hochgefühl, wenn du dein Kind anblickst oder voller Hingabe seinen Babyduft inhalierst. (Warum gibt es den eigentlich nicht in Dosen?)

 

Was ich meine, ist das körperliche Gefühl, die Wahrnehmung und der Zugang zu deiner ganz eigenen physischen Hülle.

 

 

 

Die Konfrontation

 

Ich weiß es noch wie heute. Ich habe meine erste Tochter unter großen Schmerzen, aber dennoch ohne medizinische Hilfsmittel, auf die Welt gebracht und war überwältigt vom Anblick dieses kleinen Wunders.

 

Und dann ging ich das erste Mal wieder ins Bad. Während das Hochgefühl von der Geburt und dem ersten Kennenlernen langsam verklungen war, kehrte ich so allmählich wieder in meinen Körper zurück…und war entsetzt.

 

Das war nicht mein Körper, das war irgendetwas anderes. Der Bauch von der Schwangerschaft war genauso, völlig unverändert, noch da. Nur dass ich eine Sache gegeben und anscheinend viele andere dazubekommen hatte. Gegeben hatte ich das Leben und bekommen hatte ich einen leeren Riesenbauch, einen blutenden, schmerzenden Schritt mit Riesen-Hämatom, viel zu große Brüste, die nicht nur schmerzten, sondern obendrein jetzt noch ausliefen und eine total verzerrte Körperwahrnehmung.

 

 

 

 

Trugbilder

 

Es scheint ja modern geworden zu sein, sich auf Social Media-Kanälen stolz mit Zentralzugang im Arm und Netzhöschen direkt nach der Geburt zu filmen. Neulich habe ich einen Beitrag im Fernsehen gesehen, dass es jetzt super chic ist, sich vor der Geburt zwischen zwei Wehen zu schminken, um auf dem ersten Foto bloß nicht so auszusehen, als hätte man nach 15 Stunden schmerzhafter Wehen einem Menschen das Leben geschenkt.

 

Aber liebe Schwestern im Geiste: Lasst euch nicht für dumm verkaufen! Die meisten von uns brauchen eine gewisse Weile, sich mit dem postpartalen Körper anzufreunden. Und das ist auch okay so. So wie sich das Baby nach der Geburt an das Leben außerhalb des Bauches gewöhnen muss, so musst auch du, die du gerade als Mutter geboren wurdest, mit und in der neuen Situation zurechtfinden. Das gelingt manchen sicherlich schneller als anderen, aber das ist kein Wettrennen. Mutterschaft ist eine ganz erstaunliche und wunderbare Reise, die eben nicht nur mit Lächeln und Glückseligkeit gepflastert ist, sondern auch mit Tränen und Verzweiflung.

 

Aber anstatt das als Problem zu sehen, nimm die neue Situation an. (Sie wird sich von allein wieder ändern, denn als Mama ist alles eine Phase, wie du schon bald lernen wirst!) 

 

 

 

Feiere dich!

 

Dein Körper hat Erstaunliches geleistet und das darf er voller Stolz zeigen. Die Schmerzen werden aufhören, die Narben werden verblassen, aber sie sind die Trophäen einer Reise und eines Augenblicks, den dir niemand je wieder nehmen kann und den niemand je so empfinden kann wie du. Viel Spaß und Kraft auf deiner Mama-Reise!