Was ist postpartale Erschöpfung?

Die Geburt eines Kindes ist das magischste und anstrengendste Ereignis im Leben einer Frau.
Der Körper durchlebt enorme chemische und strukturelle Veränderungen und deine Emotionen fahren pausenlos Achterbahn.


Du hast dich voll und ganz einer gesunden Schwangerschaft gewidmet und das aufregendste Erlebnis in deinem Leben gewissenhaft und umsichtig vorbereitet. Leider drehen sich die meisten Vorbereitungen und auch der größte Teil der Nachsorge um das Baby (postnatal; nasci= geboren werden), und weniger um die Mama (postpartal; parere = gebären).

Doch auch wenn längst nicht jede Mutter von einer milden bis schweren postpartalen Stimmungskrise betroffen ist, geht eine postpartale Erschöpfung an keiner Mutter vorbei. Und das, was einige Mamis so liebevoll „Still-Demenz” titulieren, ist eines der Symptome, zu denen auch Schlaflosigkeit, Probleme mit Haut, Haaren und Zähnen, Licht- und Geräuschempfindlickeit und massive Erschöpfung gehören. Auf emotionaler Ebene kommen noch Angst, Sorge, Schuld und Scham sowie Gefühle von Isolation, mangelndem Selbstvertrauen und Macht-/Hilflosikeit hinzu.

 

In früheren Zeiten und auch heute noch in unterschiedlichen Kulturen ist die Unterstützung und Pflege der Mutter ein wichtiger Teil der Zeit nach einer Geburt. In Indien kehrt die Mutter für drei Monate Fürsorge in ihr Elternhaus zurück, während die Pflege in Korea stark auf Wärme z.B. in Form von nährenden Mahlzeiten konzentriert ist. In Südamerika wird von einer Verwandten 40 Tage lang jede Hausarbeit erledigt, während das zuo yuezi in China alles von der Mutter fernhält, was ihre Erholung stören könnte. Wie schon in der Schwangerschaft spielt auch hier die Zahl 40 eine magische Rolle.

 

40 Wochen dauert eine Schwangerschaft in der Regel

40 Tage „ruhen” Frauen in verschiedenen Kulturen nach der Geburt

40 Tage haben in Religionen, wie dem Christen- und Judentum, eine große Symbolkraft, stehen oft für Neubeginn oder Zeit der Besinnlichkeit

 

 

 

Was passiert postpartum?

 

Die Geburt eines Kindes ist die wohl größte, umfassende Veränderung, die du im Leben durchmachen kannst.

 

Dein Körper verändert sich massiv: Strukturen verschieben sich, du trägst mehr Gewicht, deine Haltung verlagert sich.

Über die Plazenta wird dein Baby ernährt, was von dir enorme Nährstoff-Resourcen verlangt und bei dir Mängel hervorruft. Hormonell stellt dein Körper zum Ende der Schwangerschaft verstärkt auf Bonding (Oxitozin) um.

 

Sobald dein Kind auf der Welt ist, musst du dich körperlich und mental nicht nur von der Geburt erholen (die für manche Frauen enorm traumatisch sein kann), sondern auch von der Raupe zum Schmetterling werden. Daraus ergibt sich eine Liste von Symptomen, die richtig lang sein kann:

 

Hormonschwankungen, Schlafentzug, Verstopfung, Haarausfall, Schwitzen, Gelenkschmerzen, Angstzustände, Wut, Heißhungerattacken, Schilddrüsenprobleme, Inkontinenz und und und.

 

Die Tage, Wochen , Monate, sogar Jahre nach einer Geburt gut für dich zu sorgen, sollte auf deiner Liste der Prioritäten ganz oben stehen. Denn sei dir sicher, dass Mami schnell nach der Geburt wieder in ihren Bikini passt, steht bei deinem Baby gar nicht auf dem Plan. Also passt gut auf dich auf!

EPDS - Edinburgh Postnatal Depression Scale

Bist du unsicher in Bezug auf deine Befindlichkeit? Möchtest du dich einmal selbst einschätzen? Hier findest du einen Download-Button für die EPDS - Edinburgh Postnatal Depression Scale, die offiziell anerkannt und von Ärzten zur Einschätzung einer postpartalen Verstimmung genutzt wird. Sollte dieser Selbsttest dich verunsichern oder ein eindeutig „schlechtes” Ergebnis haben, wende ich bitte vertrauensvoll an einen kompetenten Behandler (Arzt oder Therapeut).

 

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EPDS Fragebogen deutsch
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